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08.10.2018

Weltklimarat drängt zu raschem Handeln für 1,5-Grad-Ziel

Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau ist nur noch erreichbar durch "schnelles und weitreichendes" Handeln. Dies ist eine der Kernaussagen eines Sonderberichts des Weltklimarats IPCC, der am Montag im südkoreanischen Incheon veröffentlicht wurde.

Das Erreichen genau dieses 1,5-Grad-Ziels ist demnach erforderlich, um schwerwiegende Folgen für das Leben auf der Erde noch zu vermeiden. Der globale Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) müsste demnach von 2010 bis 2030 um 45 Prozent fallen und im Jahr 2050 Null erreichen.

"Eine der Kernaussagen des Berichts ist: Wir sehen derzeit bereits die Konsequenzen von einem Grad Erderwärmung wie mehr Extremwetter, steigende Meeresspiegel, schwindendes arktisches Meereis und andere Veränderungen", sagte der Co-Vorsitzende einer IPCC-Arbeitsgruppe, Panmao Zhai.

Im Klimaabkommen von Paris hatten sich die Länder Ende 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Letzteres hatten vor allem die kleinen Inselstaaten gefordert. Der Sonderbericht des IPCC ist auch Grundlage für die Weltklimakonferenz im Dezember im polnischen Kattowitz.

Während jedoch früher davon ausgegangen wurde, dass bei einer Erwärmung um zwei Grad die Folgen der Erderwärmung noch halbwegs kontrollierbar sein dürften, äußern die Wissenschaftler daran nun deutliche Zweifel und drängen daher auf entschiedeneres Handeln. "Jede weitere Erwärmung, besonders über 1,5 Grad hinaus, vergrößert die Gefahr langanhaltender oder nicht mehr umkehrbarer Veränderungen so wie dem Verlust von Öko-Systemen", erklärte dazu der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe II des IPCC, der Kieler Klimaforscher Hans-Otto Pörtner.

Die Kosten für das notwendige Umsteuern wären laut der Zusammenfassung des 400-Seiten-Berichts, an dem 91 Autoren aus 40 Staaten beteiligt waren, mit schätzungsweise 2,1 Billionen Euro weltweit allein im Energiesektor erheblich. Ohne dieses Umsteuern - auch in weiteren Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft - wäre aber mit weit höheren Kosten zu rechnen.

Greenpeace Österreich forderte unterdessen die Bundesregierung auf, die nationalen Klimaziele erheblich nachzubessern. Nur wenn Industrieländer wie Österreich bis zum Jahr 2030 deutlich weniger Treibhausgase ausstoßen, können die Pariser Klimaziele erreicht und der Klimakollaps abgewendet werden.

"Der Bericht des Weltklimarats zeigt unmissverständlich: Wir können den Klimakollaps nur abwenden, wenn alle an einem Strang ziehen", sagte Adam Pawloff von Greenpeace in Österreich. Die Regierung müsse endlich Verantwortung übernehmen. Die heimischen Klimaschutzziele seien reine Augenauswischerei. "Statt Klimaschutz mit Tempo 140 an die Wand zu fahren, muss die schwarz-blaue Regierung die nationalen Ziele erheblich nachbessern und ihre zahnlose Klimastrategie erneuern." Derzeit liegt das CO2-Reduktionsziel in Österreich bei 36 Prozent bis 2030. Greenpeace fordert EU-weit eine Erhöhung auf 65 Prozent.

"Der Bericht des Weltklimarats belegt einmal mehr, dass der Hut brennt", meint Pawloff. Der extrem heiße Sommer habe uns am eigenen Leib spüren lassen, wo die Reise hingeht, wenn Klimapolitik nicht oberste Priorität hat: Dürren, Hitzewellen und Waldbrände sind in Europa keine Ausnahme mehr und könnten zur Normalität werden.

Für Österreich sieht Greenpeace eine klare Handlungsanleitung: 100 Prozent erneuerbarer Strom aus Sonne, Wind und Wasser bis 2030 und ein klares Aus für Öl- und Gasheizungen bei Kesseltausch und Neubauten. Die größte Herausforderung liegt allerdings im Bereich Verkehr: Hier müsse ab 2028 ein Verkaufsstopp für Diesel-, Benzin-und Hybridfahrzeuge her und es brauche massive Investitionen in den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln, Radinfrastruktur und E-Mobilität. "Das Ölzeitalter muss dringend Geschichte werden. Dafür brauchen wir eine echte Mobilitätswende, die gut ausgebaute und günstige Öffis an die Stelle des Pkw-Verkehrs setzt und nicht allein die E-Mobilität fördert", sagte Pawloff.

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